Mad Max: Fury Road – Bis es die Tachonadel aus dem Cockpit schießt

Falls ihr euch je gefragt haben solltet, wie es sich anfühlt, wenn man sich ein Starterkabel an die Zunge klemmt: Mad Max: Fury Road liefert euch die Antwort. Der 150 Millionen Dollar teure Action-Kracher, den viele Kritiker jetzt schon als den besten Genre-Beitrag der letzten Jahre feiern, gibt zwei Stunden lang Vollgas, bis es die Tachonadel aus dem Cockpit schießt und ihr euch völlig fertig aus dem Kino schleppt. Aber rechtfertigt ein solcher Overkill die vielen Lobeshymnen?

Mad Max: Fury Road 2

What a lovely Day

Die wenigsten Filme können eine reibungslose Produktionsgeschichte vorweisen. Aber so holprig wie bei Mad Max: Fury Roads läuft es selbst in Hollywood wirklich selten. Regisseur George Miller wollte den vierten Teil seiner Endzeit-Saga eigentlich schon Ende der 90er drehen. Erst wurde aber der geplante Drehort Namibia aufgrund politischer Turbulenzen zu heikel, dann kam der Irak-Krieg dazwischen und zu guter Letzt verlor Hauptdarsteller und Ur-Max Mel Gibson die Geduld und stieg aus.

30 Jahre in der Produktionshölle Hollywoods

Aber wenn richtig viel Geld winkt, gibt man sich natürlich nicht so schnell geschlagen. Also wagten George Miller und sein Team 2011 einen neuen Anlauf, dieses Mal mit Tom Hardy in der Hauptrolle. Gedreht werden sollte in Broken Hill, in der australischen Wüste. Doch dann kam ein Dauerregen und der verwandelte die schöne Einöde in eine blühende Landschaft, was so gar nicht zum Szenario des Film passen wollte. Also ging es zurück nach Namibia und dort konnten die Dreharbeiten tatsächlich beginnen, so dass Mad Max: Fury Road nun 30 Jahre nach Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel endlich in die Kinos kommt.

Tom Hardy in Mad Max: Fury Road

So ist es natürlich kein Wunder, dass er die Zähne nicht auseinander kriegt

Jetzt sollte eigentlich – wie bei Kinokritiken so üblich – ein Absatz über die Handlung folgen, doch die haben die Drehbuchautoren in ihrer Aufregung, dass es endlich losgeht, schlicht und einfach vergessen. Wenn Mad Max: Fury Road nach gut einer Stunde voller noch nie zuvor gesehener Action quasi aus dem Nichts zurück in den ersten Gang schaltet und ihr euch wieder traut, Luft zu holen, merkt ihr, dass eigentlich noch nichts passiert ist. Einzelgänger Mad Max wird in einer postapokalyptischen Welt von einer streunenden Bande degenerierter Wüstenbewohner gefangengenommen, die ihn zu ihrem Anführer (Immorten Joe) bringen und ihn als Blutbeutel missbrauchen. Dann sehen wir Mad Max und Imperator Furiosa (Charlize Theron) in einem gepanzerten Tanklastwagen flüchten und der Rest ist BOOOOOOM, ZACK, KAWOOOUUUM, QUIEEEETSCH, AAAAAHHHHHH, PENG.

Mad Max zelebriert den Wahnsinn und die diabolische Freude am Überlebenskampf

Immortan Joe in Mad Max: Fury Road

Auf der Jagd und äußerst schlecht gelaunt: Immortan Joe will sein Eigentum zurück

Aber wer braucht schon eine Handlung, wenn er mit einer solch bombastischen Optik und derart unglaublichen Action-Szenen aufwarten kann. Sämtliche Stunts sind handgemacht und perfekt choreographiert und sehen bombastisch aus. Genau wie eigentlich alles andere auch an diesem Film. Alleine diese Welt, die George Miller hier bis ins kleinste Detail erschaffen hat, jagt einem einen eiskalten Schauer nach dem anderen über den Rücken. Wir werden mitten hinein geworfen in die verkümmerten Überreste einer Gesellschaft, die jegliche Menschlichkeit aus dem Beifahrerfenster geworfen und diabolischen Spaß am Überlebenskampf gefunden hat. Wahnsinn und Anarchie regieren und das macht zumindest im Kino großen Spaß.

Charlize Theron in Mad Max: Fury Road

Mad Max’ Reisegruppe

Fazit: Ach, ihr lieben übersteigerten Erwartungen. Wieso fahre ich immer besser, wenn ich ohne euch rausgehe? Wie habe ich mich nach dem furiosen Trailer von Mad Max auf den fertigen Film gefreut. Diese Bilder waren so gut, dass ich fast vor meinem Laptop in die Knie gegangen bin. Visuell ist Mad Max auch das erhoffte Meisterwerk, und das kann eben je nach Erwartung auch völlig ausreichen. Allerdings vermisse ich etwas Entscheidendes unter der funkelnden Karosserie und ich befürchte, dass das in Richtung Story und Charakterentwicklung geht. Der titelgebende Held ist ein cooler Typ und mit Tom Hardy astrein besetzt, kriegt aber die Zähne nicht auseinander. Deshalb hätte der Film eher Mad Furiosa heißen sollen, denn die Figur von Charlize Theron steht deutlich mehr im Fokus. Aber was rede ich hier, ich hatte trotzdem viel Spaß.

Mein Tipp: Schaut euch Mad Max: Fury Road an, aber tut es bitte im größten Kino, das ihr finden könnt. Dann holt ihr euch Popcorn oder ein Bier, schaltet in den geistigen Leerlauf und genießt den Abend.

Und hier noch der Trailer:

Fotos: Warner Bros.

Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1 – Wie zum Henker konnte das nur passieren?!

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Es ist noch gar nicht so lange her, da konnten mir Katniss Everdeen und der ganze Tribute von Panem-Quatsch noch gestohlen bleiben. Außer vielleicht Twilight oder Shades of Grey gab es wohl kein Franchise, das mich mehr genervt hat als diese Hungerspiele. Allein schon wegen des Hypes, der darum gemacht wurde. Lies die Bücher, hieß es überall. Die sind wirklich gut. Ja, ja, bleibt mir bloß weg damit. Jetzt, ein paar Wochen später, habe ich die ersten beiden Teile auf DVD gesehen und schreibe eine begeisterte Kritik zum dritten Teil, Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1. Wie zum Henker konnte das nur passieren?

Mächtig schlecht gelaunt: Präsident Snow

Das fragt sich sicher auch Katniss am Anfang von Mockingjay 1. Eben hat sie noch in der Arena um ihr Leben gekämpft, im nächsten Moment sitzt sie in einem Rebellenschiff und Philip Seymoure Hoffman höchstpersönlich erzählt ihr, dass der Widerstand in vollem Gange sei und dass man sie unbedingt als das Gesicht der Rebellion brauche, um auch wirklich alle Panemesen gegen das Capitol aufzuwiegeln. *Kurze Atempause nach diesem langen Satz* Katniss zögert erst, stürzt sich dann aber umso eifriger in die (Propaganda-)Schlacht gegen das Kapitol und dessen Präsident Snow, der mit harten Bandagen und überraschender Brutalität kämpft.

Es geht nicht mehr nur um ein kleines Mädchen, das im Wald mit Pfeil und Bogen spielt

Die Tribute von Panem - Mockingjay 1

Wer kann den beiden schon einen Wunsch ausschlagen?

Mockingjay 1 hat an den Kinokassen dieser Welt von allen drei bisherigen Teilen den „schlechtesten“ Start hingelegt. Wobei „schlecht“ ein immer noch phänomenales Einspielergebnis von 120 Millionen Dollar am ersten Wochenende bedeutet. Auch die meisten Kritiken sind eher durchwachsen. Viele monieren, der Film sei langatmig und spannungsarm, habe zu wenig Action und wirke eher wie ein lahmes Bindeglied zwischen dem zweiten Teil und dem großen Finale. Aber wer hört denn schon auf Kritiker.

Hört lieber auf mich. Ich finde Mockingjay 1 nämlich ziemlich gelungen. Er ist viel erwachsener, bewegender und düsterer als die beiden Vorgänger. Es geht nicht mehr nur um ein kleines, rebellisches Mädchen, das im Wald mit Pfeil und Bogen spielt und dabei schlimmstenfalls mal von einer Biene gestochen wird. Nein, plötzlich steht eine ganze Welt am Abgrund, die leicht auch die unsere sein könnte. Man sieht die ganze Härte, mit der Präsident Snow gegen die Bevölkerung von Panem vorgeht, die verbrannten Überreste der Menschen aus Distrikt 12, zerbombte Häuser und eine innerlich zerbrochene Hauptfigur (wie gut Jennifer Lawrence ist!!!). Ich mag es, dass Autorin Suzanne Collins nur wenig Mitleid mit ihren Figuren hat und niemanden schont. Ja, dabei wird zumindest in diesem Teil mehr geredet als gekämpft, aber vor langen Dialogen braucht man sich nicht per se zu fürchten.

So viele Geschenke und ich muss ein Jahr warten, bis ich sie aufmachend darf

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So viel Action gibt es selten zu sehen

In einem Punkt kann ich die Kritik meiner US-Kollegen zumindest nachvollziehen. Mockingjay 1 bringt in den rund 123 Minuten zwar eindrucksvoll alle Figuren für das große Finale in Stellung und baut gekonnt eine beklemmende Atmosphäre auf, die eigentliche Geschichte wird dabei aber kaum vorangetrieben. Bis die Ereignisse also richtig Fahrt aufnehmen, müssen wir uns noch bis Dezember 2015 gedulden und das ist ein bisschen unbefriedigend. Wie als würde ein Haufen Geschenke unter meinem Weihnachtsbaum liegen, auf allen Päckchen steht dick und fett mein Name, und ich dürfte sie erst im kommenden Jahr öffnen. Na toll!

Fazit: Für einen Hollywood-Blockbuster ist Mockingjay 1 ein überraschend ruhiger und mitreißender Film geworden. Das hätte ich nach den ersten beiden Teilen, die mehr den kindlichen Charme eines Pfadfindercamps versprüht haben, nicht unbedingt erwartet. Insbesondere die herrlich verstörende letzte Szene ist Schuld daran, dass ich neugierig geworden bin und jetzt tatsächlich das erste Buch lese. Wie zum Henker…?!

Den Link zum Trailer findet Ihr übrigens hier

So, jetzt Ihr! Wer hat den Film gesehen und was haltet Ihr von ihm? Gebt Ihr mir recht oder könnt Ihr damit überhaupt nichts anfangen?

Bilder: StudioCanal